Vermeide diesen Fehler bei der Jungpflanzenanzucht

Wann solltest du mit der Anzucht deiner Gemüsepflanzen beginnen?
Diese Frage stellt sich dir sicherlich spätestens, wenn du ab Ende Januar auf Social Media mit Bildern von kleinen Gemüsepflänzchen überschwemmt wirst.

Als Gartenanfänger wird da aus der Frage „Wann soll ich mit der Anzucht beginnen?“ schnell ein „Ohje, ich bin zu spät! Das kann nichts mehr werden mit dem eigenen Gemüse“.
Darum an dieser Stelle zu allererst: Januar ist für die meisten Pflanzen (ohne Gewächshaus) eher zu früh, anstatt zu spät. Und selbst wenn du „erst“ im Mai beschließt, dass du eigenes Gemüse anbauen möchtest, kannst du noch fast die ganze Saison ausnutzen.

Also, das wichtigste Mantra bei der Pflanzenanzucht ist definitiv „Lass dich nicht stressen„.

Wann denn nun der richtige Zeitpunkt für die Anzucht auf der Fensterbank ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

Inhalt

WARUM ANZUCHT?

Machen wir uns zunächst klar, was das Ziel der Anzucht ist.
Säen wir direkt ins Beet, findet der ganze Lebenszyklus der Pflanze eben in diesem Beet statt. Sie keimt dort, wächst dort, bildet dort Früchte,…
Das bringt verschiedene Probleme mit sich:

  • Temperatur:
    Viele unserer Gemüsepflanzen wie Paprika und Auberginen kommen ursprünglich aus deutlich wärmeren Gebieten. Sie können hier also erst ungeschützt im Freien wachsen, wenn eine Mindesttemperatur von über 10 °C nicht unterschritten wird. Das ist bei uns meist ab Ende Mai/Anfang Juni der Fall. Die Eisheiligen gelten hier als Orientierung.
    • Kulturdauer: Da die Pflanzen von der Keimung bis zur Fruchtreife länger brauchen, als bei uns diese Mindesttemperatur herrscht, brauchen die Pflanzen also schon einen Wachstumsvorsprung, damit wir vom dem Kälteeinbruch überhaupt etwas ernten können.
    • Keimtemperatur: Darüber hinaus benötigen diese Pflanzen Temperaturen von über 20 °C zum Keimen, sodass eine Direktsaat noch später erst möglich wäre.
  • Schädlingsdruck: Manche Gemüse wie Kürbis und Zucchini kann man eigentlich gut direkt säen, da sie es zwar warm mögen, aber zügig wachsen. Diese Pflanzen werden im Allgemeinen auch kräftiger und gesünder, wenn sie direkt gesät werden.
    Dennoch kann es eine gute Idee sein, sie vorzuziehen, um sie vor Schädlingen wie Schnecken zu schützen. Die ganz jungen Pflänzchen schmecken den Schnecken nämlich besonders gut und sind schneller weggefressen, als man schauen kann. Die vorgezogenen etwas größeren Pflanzen sind da deutlich robuster.
    Bei solchen Pflanzen schafft man also entweder einen guten Schneckenschutz oder muss tatsächlich vorziehen.
  • kontinuierliche Ernte: Auch wenn du für eine kontinuierliche Ernte mehrere Kulturen nacheinander anbauen willst, ist eine Anzucht der Folgekulturen empfehlenswert (gilt natürlich nur für Pflanzen, bei denen eine Anzucht generell sinnvoll möglich ist). So ergeben sich deutlich kürzere Zeiten, in denen nicht geerntet werden kann.

Es gibt also durchaus gute Gründe Gemüse vorzuziehen. Dennoch solltest du immer auch darauf achten, ob eine Anzucht überhaupt sinnvoll ist. Bei Wurzelgemüsen wie Karotten und Radieschen ist das beispielsweise nicht der Fall.

Gründe für die Anzucht:
- Saison verlängern
- Keimtemperatur gewährleisten
- widerstandsfähige Pflanzen
- kontinuerliche Ernte

SO FUNKTIONIERT DIE ANZUCHT

Um zu verstehen, wann es sinnvoll ist, mit der Anzucht zu beginnen, schauen wir uns an, was bei der Anzucht eigentlich abläuft.

Die Anzucht lässt sich sehr vereinfacht in zwei Stadien einteilen: die Keimung des Samens und das Wachstum der Pflanze.

  • die Keimung:
    Je nach Art der Pflanze benötigen die Samen unterschiedliche Voraussetzungen, um zu keimen.
    Es muss warm (die meisten Gemüse) sein oder der Samen benötigt einen Kältereiz (sog. Kaltkeimer, z.B. Salate).
    Es muss dunkel sein (sog. Dunkelkeimer) oder (diffuses) Licht ist nötig (sog. Lichtkeimer) zur Keimung.
    Feuchtigkeit ist in jedem Fall nötig.
  • das Wachstum:
    Zum Wachsen benötigen die Pflanzen in allererster Linie viel Licht. Fehlt das Licht wachsen die Stiele der Pflanzen schnell (lang und dünn), um näher zum Licht zu kommen. Wärme erhöht diesen Wachstumsreiz.

Das bedeutet für die Anzucht:
Lege die Samen entsprechend ihrer Bedürfnisse in oder auf die Erde, halte sie feucht und stelle sie warm (oder vorübergehend kalt). Das lässt sich alles auf der Fensterbank auch im tiefsten Winter gut umsetzen.
Wenn die Saat gekeimt ist, kommt es allerdings auf den richtigen Zeitpunkt und das richtige Handling an.

WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT FÜR DIE ANZUCHT IM HAUS?

DAS PROBLEM MIT DER ANZUCHT AUF DER FENSTERBANK

Das Hauptproblem an unseren Wintern für die Anzucht ist, dass es im Haus relativ dunkel ist – zumindest verglichen mit dem, wie hell es beispielweise im Sommer draußen ist. Außerdem sind unsere Wohnungen meistens ziemlich warm.

Für die Keimung ist beides kein Problem oder sogar förderlich (s.o.).
Wenn die Pflänzchen aber nun gekeimt sind, passiert leicht folgendes: auf Grund des Lichtmangels und der Wärme, wachsen die Pflänzchen schnell und dünn. Das nennt man „vergeilen„.
Dass aus diesen dünnen schwachen Stielen keine robusten Pflanzen wachsen können, ist recht offensichtlich.

Der größte Fehler bei der Anzucht ist es also, zu früh zu beginnen und dann deine Pflanzen zu dunkel und zu warm zu stellen.

mit zu wenig Licht werden die Pflanzen lang und dünn = "vergeilen"

SO ZIEHST DU ROBUSTE PFLANZEN VOR

Was du tun kannst, um das Vergeilen deiner Anzucht zu verhindern:

  • Stelle die Pflanzen nach der Keimung so hell wie möglich, z.B. direkt ans (Süd-) Fenster und vor allem kühl. Ca. 16-18 °C sind für die meisten Pflanzen gut. So wachsen sie langsamer und robuster heran.
  • Gemüse, das du direkt säen könntest, aber noch vor Fraß schützen willst oder das noch keinen Platz im Beet hat, kannst du draußen in Töpfen vorziehen. Mit einem schützenden Vlies, unter einem Frühbeetaufsatz und/oder auf Balkon oder Terrasse gibst du den Pflanzen sogar noch einen zusätzlichen Vorpsrung.
  • Fange nicht zu früh an! Der wohl wichtigste Tipp ist es, so spät wie möglich und nur so früh wie nötig mit der Anzucht zu beginnen. Jeder Tag Richtung Frühling bedeutet etwas mehr Licht für deine Pflänzchen und somit eine bessere Chance auf kräftigere Pflanzen.
    Um zu bestimmen, wann „so früh wie nötig“ ist, kannst du dich in deinem ersten Gartenjahr nach den Angaben auf der Saatguttüte oder Tipps von erfahrenen Gärtnern in deiner Gegend (!) richten. Da aber das Kleinklima in jedem Garten unterschiedlich ist, empfehle ich dir, zu beobachten und aufzuschreiben, wie lange deine Pflanzen zur Keimung brauchen und ob die Zeit reicht, damit die Früchte ausreifen.
    Diese Informationen kannst du zum Beispiel in deinem Gartentagebuch festhalten und dann im nächsten Jahr nutzen, um zu entscheiden, wann du mit der Aussaat beginnst.

Wenn du jetzt wissen willst, wie es nach der Anzucht mit deinen Pflanzen im Beet weitergeht, lies hier, wie du deine Beete sinnvoll bepflanzt.

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